Alles entsteht aus der frei fließenden Interaktion heraus

Neben Airbrush-Farben, Tuschen, Tinten, Schellacken und Pigmenten verarbeite ich Quell- und Mineralwasser sowie Gips-Kreide-Marmorgemische. Ich lasse die Farben bzw. das Material auf dem am Boden oder auf Böcken liegenden Bildträgern (Glas oder Leinwand) fließen. Ich verzichte auf den Einsatz von Pinseln und überlasse es den Materialien, sich natürlich zu verteilen. Durch Schwenken und Unterlegen des Bildträgers bringe ich die Farbmasse in Bewegung. Ich gieße und tropfe Farben hinein, so dass die unterschiedliche Beschaffenheit der Substanzen in Beziehung treten: sie fließen übereinander, untereinander, miteinander, ineinander, verweben sich, vermischen sich, lösen sich an oder stoßen sich ab.

Während der Verdunstungsphase des Wassers, die Stunden, Tage oder Wochen andauern kann, reagieren die Substanzen auf eine natürlich dynamische Weise, die ihnen innewohnt und lösen darunterliegende Schichten wieder an. Mit dieser Art der "Freiheit des Materials" kann das Werk seine eigentümliche Dynamik entwickeln. Am Ende wird es — im besten Fall — „in sich selbst" ruhen und seine eigene Sprache sprechen, ohne dass sich meine bewusste, dem Willen untergeordnete Handschrift aufzwängt. Alles entsteht aus wechselseitigen Beziehungen, aus der fließenden Interaktion heraus; Schicht für Schicht entlässt der — über Wochen, Monate oder Jahre andauernde  — Malprozess ein faszinierendes Werk. Zeitlose Schnappschüsse aus einer anderen Welt vibrieren im Spannungsschauspiel zwischen dem Natürlich-Gewachsen und dem Menschlich-Erschaffen.