Kunst Berlin Lucia Fischer Objekte Schriftbild

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o. T.  (tagebuchaufzeichnungen)

  

 

schriftbild, fotopapier, tintenstrahldruck

140 seiten tagebuchaufzeichnung auf ein blatt papier gedruckt, gerahmt

2010

42 x 32 cm 

 

 

 

Dieses Arbeit verdichtet 140 Seiten schriftlicher Tagebuchaufzeichnungen zu einer einzigen visuellen Fläche. Die ursprüngliche Funktion des Textes als lesbares Dokument tritt dabei in den Hintergrund und verwandelt sich in eine dichte Struktur aus Zeichen, Rhythmen und Verdichtungen.

 

Die Arbeit bewegt sich an der Grenze zwischen Sprache und Bild. Obwohl der Text materiell vollständig anwesend ist, entzieht er sich der unmittelbaren Lesbarkeit. Die einzelnen Worte verlieren ihre Funktion als Informationsträger und werden Teil einer größeren visuellen Ordnung. Schrift erscheint hier nicht mehr primär als Bedeutungsträger, sondern als Form, Spur und Verdichtung gelebter Zeit.

 

Die Komprimierung von 140 Seiten auf ein einzelnes Blatt erzeugt eine paradoxe Situation: Einerseits bleibt die persönliche Aufzeichnung vollständig erhalten, andererseits wird sie unzugänglich. Das Private wird sichtbar, ohne sich preiszugeben. Erinnerung wird gespeichert, gleichzeitig aber in eine neue Form überführt.

 

Die Arbeit thematisiert die Beziehung zwischen Erfahrung, Dokumentation und Wahrnehmung. Zeit erscheint nicht als lineare Abfolge von Ereignissen, sondern als verdichtete Struktur, in der sich einzelne Momente zu einem einzigen Bildkörper zusammenschließen.

 

Das Schriftbild kann als visuelles Archiv gelesen werden – als Spur eines Denk- und Lebensprozesses, dessen Inhalt sich hinter der Oberfläche verbirgt und dennoch als Präsenz erfahrbar bleibt. Die Arbeit macht sichtbar, dass Erinnerung nicht nur in Worten existiert, sondern auch in ihrer materiellen Verdichtung.