o. T. (root)
fundstück
2010
ca. 30 x 2 x 2 cm
o. T. (root) besteht aus einer an der Havel gefundenen Wurzel, die mit einem einzelnen Nagel an der Wand befestigt wurde. Die Positionierung erzeugt den Eindruck, als würde die Form unmittelbar aus der Wand hervortreten oder in sie hineinwachsen. Tatsächlich handelt es sich um ein Fundstück, dessen ursprünglicher Zusammenhang nicht mehr sichtbar ist.
Die Wurzel besitzt feine, haarähnliche Auswüchse und bewegt sich in ihrer Erscheinung zwischen pflanzlicher Struktur und körperlicher Assoziation. Je nach Betrachtung erinnert sie an einen vertrockneten Finger, ein organisches Fragment oder einen Überrest unbekannter Herkunft. Die Arbeit macht sich diese Uneindeutigkeit nicht zunutze, um eine bestimmte Deutung zu erzwingen, sondern hält sie bewusst offen.
Durch die minimale Setzung verändert sich die Wahrnehmung des Fundstücks grundlegend. Die Wurzel wird nicht bearbeitet oder transformiert, sondern lediglich in einen neuen räumlichen Zusammenhang gebracht. Gerade diese Zurückhaltung lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre Form, ihre Oberfläche und die Irritation, die von ihr ausgeht.
o. T. (root) bewegt sich an der Grenze zwischen Naturfund und skulpturaler Setzung. Die Arbeit untersucht, wie wenig es braucht, um ein alltägliches oder zufällig gefundenes Objekt aus seinem ursprünglichen Zusammenhang zu lösen und als eigenständige Erscheinung im Raum erfahrbar zu machen. Die Wurzel wirkt dabei zugleich vertraut und fremd, lebendig und vertrocknet, pflanzlich und körperhaft – als würde sie einem Ort angehören, der sich einer eindeutigen Zuordnung entzieht.