o. T. (stille erinnerung)
gips, handgestricktes fransengarn
2009
ca. 80 x 30 x 70 cm
o. T. (stille erinnerung) verbindet schlichte Materialien zu einer skulpturalen Situation zwischen Körper, Hülle und Erinnerung. Im Zentrum der Arbeit liegt eine große ovale Form aus Gips, deren Oberfläche bewusst rau, unregelmäßig und handwerklich offen belassen wurde. Die grob verputzte Struktur trägt die Spuren ihrer Entstehung sichtbar in sich und verweigert jede idealisierte Geschlossenheit.
Das Gipsoval ruht auf einer provisorisch wirkenden Konstruktion aus Arbeitsböcken und einer darübergelegten weißen Folie, die seitlich herabhängt. Die Präsentation erinnert weniger an einen Sockel als an einen Übergangszustand zwischen Arbeitsprozess, Aufbewahrung und Abschied.
Auf dem Oval liegt ein handgestricktes dunkelgraues Fransengarn, das sich über die Oberfläche legt und sich nach beiden Seiten hin teilt. Die herabhängenden Stränge umrahmen die vordere Rundung der Form und erzeugen Assoziationen an Fell, ohne sich auf eine eindeutige Lesart festzulegen.
Zwischen der Schwere des Gipses und der weichen, fellartigen Struktur des Garns entsteht eine stille Spannung. Die Arbeit bewegt sich an der Grenze zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, zwischen Körperlichkeit und Erinnerung. Dabei steht nicht der Verlust selbst im Mittelpunkt, sondern ein Zustand des Übergangs – ein Moment, in dem Ende und Verwandlung untrennbar miteinander verbunden erscheinen.
Der Hinweis stille erinnerung verweist auf eine Form des Erinnerns, die nicht an konkrete Bilder gebunden ist. Vielmehr entsteht ein Raum für das leise Wissen um Verbundenheit, Vergänglichkeit und die fortdauernde Präsenz dessen, was nicht mehr sichtbar ist.
Die Arbeit beschreibt keinen bestimmten Moment, sondern eine Erfahrung: die Möglichkeit, Abschied nicht als Abbruch, sondern als Transformation zu verstehen.