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o. T. (systematic system)

  

 

geweißtes keilrahmmenholz, ponpon-wolle,

2013

150 x 40 x 40  cm

 

 


o. T. (systematic system)  besteht aus dem hölzernen Kreuz eines Keilrahmens, das aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und vertikal an die Wand gelehnt wird. Das Holz wurde geweißt und mit zahlreichen Bohrungen versehen, die in unregelmäßigen Abständen gesetzt wurden. Die Öffnungen folgen keinem erkennbaren Raster und weisen sichtbare Bearbeitungsspuren auf. Sie sind weder exakt angeordnet noch vollständig ausgearbeitet.

 

Im unteren Drittel des Holzes wurden einzelne Bohrungen mit Pompon-Wolle versehen. Die Fäden hängen herab und sammeln sich am Boden zu einer weichen, wabernden Struktur. Die übrigen Öffnungen bleiben leer und verweisen auf Möglichkeiten, die nicht eingelöst werden.

 

Die vertikale Aufrichtung des ehemaligen Keilrahmenkreuzes ist für die Arbeit von zentraler Bedeutung. Das frühere Trägerelement eines Bildes erscheint wie eine Achse oder ein Gerüst, entlang dessen sich unterschiedliche Zustände organisieren. Während die Bohrungen im oberen Bereich leer bleiben und wie offene Möglichkeiten wirken, verdichten sich die eingefädelten Wollstränge im unteren Drittel zu einer organischen Ansammlung am Boden. Dadurch entsteht eine Bewegung zwischen Offenheit und Verdichtung, Potenzial und Materialisierung.

 

Das verwendete Holz trägt die Geschichte eines Bildträgers in sich. Als Teil eines Keilrahmens diente es ursprünglich dazu, eine Bildfläche zu stabilisieren und zu tragen. In der Arbeit bleibt von dieser Funktion lediglich die Struktur zurück. Das Bild selbst ist verschwunden. An seine Stelle tritt ein Objekt, das seine eigene, bildlose, innere Ordnung untersucht.

Die Pompon-Wolle bildet dazu einen deutlichen Gegenpol. Während das Holz für Konstruktion, Gerüst und Stabilität steht, erscheint die textile Struktur weich, beweglich und kaum kontrollierbar. Am Boden verdichtet sie sich zu einer Form, die eher an organisches Wachstum als an geometrische Ordnung erinnert.

 

o. T. (systematic system stellt die Spannung zwischen Ordnung und Abweichung in den Mittelpunkt. Die Bohrungen erinnern an Vermessung, Konstruktion oder Planung, entziehen sich jedoch einer strengen Regelmäßigkeit. Zwischen Gerüst und Wachstum, Konstruktion und Unvorhersehbarkeit entsteht eine Arbeit, in der Ordnung nicht als starres Prinzip erscheint, sondern als offenes Feld von Beziehungen, Lücken und Möglichkeiten.