.

o. T. (alive)

  

 

plastikverpackung, garn 

2011

15 x 19 x 4  cm

 

 


o. T.  (alive)  besteht aus einer weißen Kunststoffverpackung eines industriell gefertigten Lebensmittels. In die Oberfläche wurde ein kreisrundes Loch geschnitten, dessen Ränder anschließend mehrfach mit schwarzem Garn umwickelt wurden. Durch die Spannung des Materials verformen sich die Schnittkanten; an einer Stelle reißt die Kunststoffoberfläche leicht ein.

 

Die Arbeit greift in ein alltägliches Wegwerfobjekt ein und verschiebt dessen Bedeutung durch eine minimale und präzise Handlung. Das ausgeschnittene Loch wird nicht als Öffnung belassen, sondern durch das Garn betont und zugleich unter Spannung gesetzt. Die Umwicklung wirkt wie eine Naht, eine Verletzung, eine Reparatur oder ein Versuch, etwas sinnloses zusammenzuhalten.

 

Gerade in dieser Ambivalenz entfaltet das Werk seine Wirkung. Das Loch kann als Mangel oder Beschädigung gelesen werden, zugleich aber auch als Ort einer neuen Präsenz. Die Arbeit lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Bereich, der ursprünglich Leere wäre, und macht ihn zum eigentlichen Zentrum des Objekts.

 

Das schwarze Garn steht dabei in deutlichem Kontrast zur weißen Kunststoffoberfläche. Die Umwicklung zeichnet die Schnittstelle nach und macht die auf das Material wirkenden Kräfte sichtbar. Die leichte Verformung und das Einreißen der Ränder zeigen, dass die Arbeit nicht nur eine Form setzt, sondern einen Zustand von Spannung erzeugt.

 

Präsentiert auf einem einfachen Tisch bleibt das Objekt bewusst unspektakulär. Es wird weder erhöht noch inszeniert, sondern begegnet den Betrachtenden auf Augenhöhe des Alltäglichen. Gerade dadurch tritt die Veränderung des Materials umso deutlicher hervor.

 

Der Hinweis  alive  eröffnet einen überraschenden Gegenpol zur Künstlichkeit des Materials. Das Werk zeigt kein Lebewesen und stellt Leben nicht dar. Dennoch entsteht durch die Umwicklung, die Spannung und die sichtbare Reaktion des Kunststoffs der Eindruck eines Zustandes, der an Wachsen, Heilen, Atmen oder Verletzlichkeit erinnern kann. Das industrielle Objekt beginnt, eine körperhafte Qualität anzunehmen.

 

o. T.  (alive)  untersucht mit einfachen Mitteln die Frage, wie wenig es braucht, um einem gewöhnlichen Gegenstand eine neue Wahrnehmungsebene zu eröffnen. Zwischen Öffnung und Schließung, Verletzung und Zusammenhalt entsteht eine stille Form von Lebendigkeit, die nicht dargestellt wird, sondern sich im Material selbst zeigt.