o. T. (silently)
gestrickstränge aus fransengarn umhüllen 140 meter abwasser- und heizungsrohre
2008
Entstanden für die Ausstellung 6 im Transit im FLUTGRABEN e.V. in Berlin-Treptow, reagiert
o. T. (silently) unmittelbar auf die Geschichte und räumliche Situation des Ortes. Die ehemalige Kraftfahrzeug-Instandsetzungsanlage liegt an der früheren Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Der Ausstellungsraum selbst war ein dauerhaft genutzter Durchgangsraum – ein Ort des Übergangs, der Bewegung und der ständigen Passage.
Für die Installation wurden etwa 140 Meter Abwasser- und Heizungsrohre mit handgestrickten Strängen aus dunkelgrauem Fransengarn umhüllt. Das Material wurde über Wochen hinweg mit Hilfe einer Strickmaschine hergestellt und anschließend direkt auf die vorhandenen Leitungen des Gebäudes übertragen. Die Rohre verschwanden dabei nicht vollständig, sondern wurden in eine neue, körperhafte Erscheinung überführt.
Das Fransengarn erinnert an Fell, Haare oder organische Oberflächen und verändert die technische Infrastruktur des Gebäudes in etwas Lebendiges und zugleich Unbestimmtes. Die Leitungen erscheinen nicht länger als funktionale Bauteile, sondern als verborgenes Versorgungssystem eines größeren Organismus. Wärme, Wasser und Abwasser werden zu unsichtbaren Strömen, die das Gebäude durchziehen und am Leben halten.
Die Arbeit richtet die Aufmerksamkeit auf jene Strukturen, die normalerweise verborgen bleiben. Was im Alltag übersehen wird, tritt in den Vordergrund und entwickelt eine eigenständige Präsenz. Gleichzeitig erzeugt das Material eine ambivalente Wirkung. Die weichen, fellartigen Oberflächen wirken vertraut und fremd zugleich. Sie berühren eine Ebene des Unheimlichen, die sich nicht unmittelbar benennen lässt.
Im Kontext des Gebäudes erhält diese Wahrnehmung eine weitere Dimension. Die Geschichte des Ortes als Grenzraum, die Erinnerung an Überwachung und Kontrolle sowie die Vorstellung bewaffneter Grenzposten auf den Dächern der Umgebung bilden einen unsichtbaren historischen Resonanzraum. Die Installation verweist nicht direkt auf diese Geschichte, macht jedoch die verborgenen Schichten eines Ortes spürbar, die über seine sichtbare Architektur hinausreichen.
o. T. (silently) versteht das Gebäude als einen lebendigen Körper mit eigenen Versorgungswegen, inneren Strömen und verborgenen Strukturen. Die Arbeit macht sichtbar, was gewöhnlich im Hintergrund bleibt, und eröffnet einen stillen Dialog zwischen Architektur, Erinnerung und Wahrnehmung. Die Installation beschreibt dabei weniger ein konkretes Narrativ als eine Atmosphäre: die Präsenz dessen, was nicht unmittelbar sichtbar ist und dennoch den Raum durchdringt.