Kunst Berlin Lucia Fischer Objekte Strick

 

 



o. T. (membran)

  

 

gestrickstränge aus fransengarn

2009

ca. 310 x 270 x 8  cm

 

 

o. T.  (membran)  besteht aus etwa 140 Metern handgestricktem, dunkelgrauem Fransengarn, das lose auf dem Boden ausgelegt ist. Das Material erinnert an Fell, Haar oder organische Oberflächen und bildet eine großformatige, kreisförmige Struktur, die einen wesentlichen Teil des Raumes einnimmt.

 

Die Form erscheint jedoch nicht geschlossen oder geometrisch geordnet. Die Stränge liegen in einer unruhigen, wabernden Bewegung, die den Eindruck eines lebendigen oder sich ständig verändernden Zustandes erzeugt. Verdichtungen, Verschiebungen und kleine Unregelmäßigkeiten verhindern eine stabile Lesbarkeit der Gesamtform. Statt einer klaren Figur entsteht ein Feld permanenter Bewegung.

 

Durch seine Ausdehnung verändert das Werk die Wahrnehmung des gesamten Raumes. Es erscheint nicht als Objekt innerhalb eines Raumes, sondern als eine Präsenz, die den Raum selbst besetzt und strukturiert. Besucherinnen und Besucher können sich dem Werk nähern und es an zwei Seiten umrunden, jedoch nicht durchqueren. 

 

Das fellartige Material löst widersprüchliche Assoziationen aus. Es kann Schutz, Wärme und Körperlichkeit hervorrufen, gleichzeitig aber auch etwas Fremdes, Unkontrollierbares oder Bedrohliches. Die Arbeit bewegt sich bewusst in diesem Spannungsfeld. Ihre Wirkung entsteht weniger aus einer festgelegten Bedeutung als aus einer unmittelbaren körperlichen Erfahrung im Raum.

 

Der Hinweis membran verweist auf eine Grenze, die trennt und verbindet zugleich. Membranen umschließen, schützen, filtern und ermöglichen Austausch. In dieser Arbeit erscheint die Membran jedoch nicht als geschlossene Hülle, sondern als ausgedehntes Feld, das zwischen Innen und Außen, Nähe und Distanz, Anziehung und Abwehr oszilliert.

 

Die intensive räumliche Präsenz des Werks führte während der Ausstellung wiederholt zu starken Reaktionen von Besucherinnen und Besuchern. Die Arbeit erzeugt eine Spannung, die nicht allein visuell wahrgenommen wird, sondern sich körperlich im Raum entfaltet. Dadurch wird o. T. (membran)  weniger zu einem betrachteten Objekt als zu einer Situation, in der Wahrnehmung, Raum und körperliches Empfinden unmittelbar aufeinandertreffen.