Kunst Berlin Lucia Fischer Objekte

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o. T.  (identity)

  

 

rosafarbenes baumwollband, weiße farbe, messinghaken

2010

ca. 140 x 40 x 40  cm

 

 

o. T. (identity)  besteht aus einem rosafarbenen Baumwollband, das an einem Messinghaken mit Rosette von der Wand herabhängt. Nur ein kurzer Abschnitt des ursprünglichen Materials bleibt sichtbar. Der überwiegende Teil des Bandes ist mit weißer Farbe überzogen und verliert dadurch seine ursprüngliche Weichheit und Farbigkeit zugunsten einer neuen, beinahe skulpturalen Erscheinung.

 

Das Band fällt bis zum Boden und bildet dort eine lose Kreisform. Innerhalb dieses Kreises liegt weiteres Band, zusammengelegt und ebenfalls mit weißer Farbe überzogen. Es erscheint wie ein bereitgelegtes Bündel, das zugleich an ein Seil, eine Schnur oder eine Peitsche erinnern kann.

 

Die Arbeit bewegt sich zwischen Weichheit und Verfestigung, zwischen textilem Material und fester Form. Die weiße Farbschicht wirkt dabei wie eine Überformung, die das ursprüngliche Material zugleich bewahrt und verändert. Das Rosa bleibt als Hinweis auf den Ausgangszustand sichtbar, tritt jedoch weitgehend hinter die neue Erscheinung zurück.

 

Durch die Aufhängung entsteht eine Verbindung zwischen Wand, Körperhöhe und Boden. Das Material beschreibt eine Bewegung vom Vertikalen ins Horizontale und entwickelt dabei unterschiedliche Zustände von Spannung und Ruhe. Während der obere Bereich gehalten und geführt erscheint, wirkt die Form am Boden gesammelt, in sich gekehrt und zugleich potenziell beweglich.

 

Der Hinweis „identity“ verweist auf Fragen von Sichtbarkeit, Zuschreibung und Transformation. Die Arbeit formuliert diese Themen jedoch nicht über Darstellung, sondern über Materialzustände. Das Band bleibt erkennbar, hat jedoch einen wesentlichen Teil seiner ursprünglichen Eigenschaften verändert. Zwischen dem sichtbaren Rest des Rosatons und der weißen Überformung entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem, was sichtbar bleibt, und dem, was verdeckt oder transformiert wurde.

 

o. T. (identity)  untersucht Identität nicht als feste Eigenschaft, sondern als Zustand fortwährender Veränderung. Das Werk bewegt sich zwischen Spur und Verhüllung, zwischen Präsenz und Zurücknahme und lässt offen, ob die weiße Schicht als Schutz, Maskierung, Erstarrung oder Neubildung gelesen werden kann.