井 1.23

 

mischtechnik auf baumwolle

2016 – 2025

45 x 50 cm

 

dahinter. raum

farben – schwelle – raum  

 

 

dahinter.raum  zeigt ein Bildfeld, das sich über mehrere Jahre hinweg verändert hat und in dem sich Form, Material und Lesbarkeit verschieben. Das Werk wurde 2016 im Hochformat begonnen, als signierte, jedoch nicht dokumentierte Arbeit zurückgestellt und 2026 erneut aufgenommen. Dabei wurde es in ein Querformat überführt und mit einer goldockerfarbenen Schicht sowie einer Bearbeitung der Ränder weitergeführt.

 

Das tiefe Nachtblau umspannt die Bildfläche beinahe vollständig und sammelt den Bildraum in einer ruhigen, tragenden Einheit.

 

Das Zentrum wird von einer vielschichtigen, krakeleeartigen Formation geprägt. Risse, Aufwerfungen und abblätternde Partien offenbaren die Tiefe des malerischen Prozesses und lassen unterschiedliche Zeitebenen sichtbar werden. Die gealtert wirkende Materialität steht dabei in spannungsreicher Beziehung zur Frische und Intensität der umgebenden Farbigkeit.

 

Im unteren linken Bereich treten schmale Spuren früherer Farbschichten hervor – Orange, Weiß und Rot. Diese älteren Ebenen bleiben unter den späteren Schichten sichtbar und verweisen auf verschiedene Phasen der Bildentstehung.

 

Rechts im Bild befindet sich eine einzelne Perforation innerhalb der Schichtstruktur. In dieser Aussparung erscheint eine Formation, die an Teile eines Gesichts erinnern kann: eine helle Gesichtsfläche, dunkle haarartige Bereiche, ein heller Oberkörper und eine rote Stelle im Bereich eines Auges. Diese figürliche Erscheinung bleibt dabei nicht eindeutig festgelegt, sondern entsteht aus den Überlagerungen und Strukturen des Materials heraus.

 

Unter der hellrosa, gesichtsartigen Erscheinung leuchtet ein Goldocker auf, das zugleich die letzte Schicht des Bildes bildet. Das tiefe Nachtblau, das den Bildraum durchdringt, hält die Formation  in einer stillen Atmosphäre von Ruhe und Zeitlosigkeit und gibt ihr einen schützenden Raum.

 

Das Werk zeigt keine geschlossene Darstellung, sondern ein Bildfeld, in dem sich Formen aus den Farbschichten entwickeln, verändern und teilweise wieder auflösen. Unterschiedliche Schichten, Bearbeitungsphasen und zeitliche Abstände bleiben sichtbar und prägen die Wahrnehmung des Bildes.

 

Besonders deutlich wird dies in der Veränderung zwischen 2016 und 2026, in der sich nicht nur die materielle Oberfläche, sondern auch die Lesbarkeit einzelner Formen verschoben hat.

 

井 1.23 entfaltet sich als ein in sich ruhendes und zugleich offenes Gefüge aus Material, Zeit, Überlagerungen und sich wandelnden Erscheinungsformen.