井 1.22
mischtechnik auf baumwolle
2013 – 2026
60 x 50 cm
sonnen.feld
farben – schwelle – raum
sonnen.feld
Das hochformatige Werk 井 1.22 entstand zwischen 2013 und 2026.
Über viele Jahre hinweg blieb das Werk weitgehend unbearbeitet, bevor es später weitergeführt wurde. Diese zeitliche Distanz zeigt sich auch in den unterschiedlichen Schichten und Überlagerungen innerhalb des Bildes.
Im unteren Zentrum befindet sich eine krakeleeartige Fläche aus zahlreichen übereinanderliegenden Schichten, die einen gelb-goldenen Kreis bildet. Die Oberfläche wirkt rissig und gealtert, einzelne Farbschichten scheinen sichtbar durch.
Darunter breitet sich eine dunkle Siena-Schicht über große Teile des Bildes aus. Ihre Form ist unregelmäßig und erinnert stellenweise an eine ausgedehnte körperartige Silhouette oder eine schwere Masse, die sich über den unteren Bildraum legt.
Innerhalb dieser dunklen Fläche erscheint eine intensive orangefarbene Form. Ihre Kontur kann an einen Vogel, eine flügelartige Bewegung oder eine aufsteigende Spur erinnern. Dieselbe orangefarbene Schicht tritt unten rechts erneut hervor und bleibt dadurch als ältere Bildebene sichtbar.
Oberhalb des goldenen Kreises lösen sich die Farbschichten zunehmend in weichere, nebelhafte Übergänge auf. Links entsteht dabei eine Formation, die an ein Gesicht erinnern kann. Ein dunkler Bereich wirkt dabei wie ein Auge, das unmittelbar aus den darunterliegenden Siena-Schichten hervorgeht.
Rechts oberhalb des Kreises bildet sich eine helle, kreisartige Form, die wie eine Öffnung oder ein lichtdurchlässiger Raum erscheint. Zwischen diesen beiden Bereichen entsteht ein Spannungsfeld aus verdichteten und offenen Zonen.
Nahe der vertikalen goldfarbenen Linie auf der linken Bildseite zeigen sich kleinere Formen, die an sitzende oder hockende Figuren erinnern können. Die goldene Linie selbst weist Vertiefungen und Unebenheiten auf, in denen sich dunklere Siena-Farbe gesammelt hat. Dadurch entsteht eine sichtbare Verbindung zwischen den helleren und dunkleren Schichten des Bildes.
Im oberen Bereich liegen nebelhafte Farbzonen übereinander, deren Konturen teilweise landschaftlich wirken. Ganz unten links erscheint eine violette Schicht mit kleinen weißen Punkten, die an Sterne oder Lichtpunkte erinnern kann. Auch hier bleiben ältere Bildschichten sichtbar und treten unter späteren Farbebenen wieder hervor.
Das gesamte Bild ist von schwarzen Bereichen umgeben und durchzogen. Dieses Schwarz bildet einen durchgehenden Hintergrundraum, aus dem einzelne Formen, Farbverdichtungen und Lichtzonen hervortreten.
So zeigt das Werk weniger eine festgelegte Darstellung als ein vielschichtiges Zusammenspiel aus Überlagerung, Auflösung, Verdichtung und offen bleibenden Erscheinungen.