井 1.21

 

mischtechnik auf baumwolle

2013 – 2026

60 x 50 cm

 

form.licht

farben – schwelle – raum  

 

 

Die weiß lackierte Oberfläche von form.licht mit ihrem perlmuttartigen Schimmer erzeugt einen offenen, lichtreflektierenden Bildraum. Aus diesem stillen Feld hebt sich eine vielschichtige Form hervor, deren Ausläufer sich nach rechts und links ausdehnen. Nach oben hin entstehen weitere Erweiterungen, darunter ein mittiger Ausläufer, der weniger wie ein fester Körper als wie eine Fortsetzung ins Atmosphärische oder Energetische hinein wirkt. 

 

Die dunklen Farbausläufer – unten und mittig nahezu schwarz, oben in einem kühlen dunklen Rot – erscheinen wie materielle Verdichtungen innerhalb eines ansonsten lichtdurchlässigen Geschehens. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen Erdung und Entgrenzung, Körperhaftigkeit und Lichtwerdung. Die dunklen Ausläufer bilden zugleich eine große dreieckartige Struktur, die wie eine verborgene Ordnung innerhalb des fließenden Erscheinungsprozesses wirkt.

 

Über diesen dunkleren Bereichen liegt eine aus mehreren halbtransparenten Schichten entstandene gold-pink-orangefarbene Zone, die wie eine schwebende, nebelhafte Lichterscheinung wirkt. Die Form scheint weniger gemalt als vielmehr aufgetaucht – wie eine Erscheinung im Übergang zwischen Sichtbarkeit und Auflösung.

 

Angelöste ältere Farbschichten fließen in neue Schichten hinein, Grenzen verschwimmen, Erscheinungen bleiben vorübergehend. Dadurch trägt das Werk seinen eigenen Entstehungsprozess sichtbar in sich. Es zeigt kein abgeschlossenes Bild, sondern die fortlaufende Bewegung von Material, Zeit und Wahrnehmung. Auch die Stellen an den Formrändern, an denen die Farbe abgeperlt ist und nur minimale Spuren hinterlassen hat, verstärken diesen Eindruck. Gerade diese Übergänge verleihen der Form etwas Lebendiges und Prozesshaftes. Die Erscheinung wirkt nicht fixiert, sondern in ständiger Verwandlung begriffen.

 

Im Zentrum der gold-pink-orangen Lichtfläche erscheinen nebulöse figürliche Andeutungen – möglicherweise ein oder zwei engelartige Wesen oder eine Figur mit ausgebreiteten Armen. Gleichzeitig erinnert dieselbe Zone an anatomische Strukturen wie einen rechten Rippenbogen oder innere Körperformen. Im Zentrum liegt zudem eine kaum wahrnehmbare dreieckartige Fläche, die wie ein stiller Konzentrationspunkt wirkt.

Die Formen bleiben offen und oszillieren zwischen Körper, Lichtgestalt, Anatomie und energetischer Struktur. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Bild selbst den Prozess der Formwerdung sichtbar macht – und zugleich eine Art Lichtwerdung.

 

Die lange Unterbrechung zwischen 2013 und 2026 trägt dabei eine eigene zeitliche Ebene in sich. Obwohl das Werk bereits 2013 im Querformat signiert wurde, blieb es unverzeichnet und unvollendet, bis es im Mai 2026 erneut hervorgeholt und als Hochformat weitergeführt wurde. Dadurch erscheint das Bild selbst wie ein Prozess, der über Jahre hinweg weitergereift ist und ein neues Erkennen mit sich trägt.