Bild: Lucia Fischer Deutsche Malerei Berlin  / German Paintings / Disobedient Colours

 井 1.1

 

mischtechnik auf baumwolle

2013

45 x 50 cm

 

ur.punkt

farben – schwelle – raum

  

ur.punkt

 

ur.punkt gehört zu der frühen Werkphase Malerei auf Baumwolle, in der sich ein offenes Arbeiten mit fließenden Farben auf Leinwand ausformt, das seit 2011 kontinuierlich entwickelt wird. Ausgangspunkt ist dabei kein gegenständliches Motiv, sondern ein prozesshaftes Verständnis von Malerei als wachsendem, sich selbst organisierendem Feld auf einem weißen Kreidegrund. 

 

Im Zentrum steht der Gedanke eines ursprünglichen Punktes als Ausgangsbewegung: eine minimale Setzung, aus der sich im Verlauf des malerischen Prozesses Verdichtungen, Ausdehnungen und Grenzzustände entwickeln. Vergleichbar mit einem Wachstumsprozess, der an seine eigenen Grenzen stößt, entfaltet sich Farbe hier nicht als Abbildung, sondern als raumbildende Kraft.

 

Die Leinwand wird dabei als offenes Prozessfeld verstanden, in dem fließende Farbbewegungen nicht kontrolliert fixiert, sondern in ihrem Eigenverhalten zugelassen werden. Schichtungen entstehen durch Gießen, Fließen und Überlagerung und bleiben als zeitliche Spuren im Bildkörper sichtbar. Dadurch entsteht ein Zustand, in dem Fläche, Tiefe und Bewegung ineinandergreifen und keine eindeutige Trennung mehr bilden.

 

ur.punkt markiert innerhalb dieser frühen Arbeiten einen konzentrierten Moment dieses Ansatzes: eine materialhafte Verdichtung von Farbe als Bewegungssystem, in dem sich erste strukturelle Ordnungen andeuten, ohne sich zu fixieren. Das Bild bleibt offen und hält den Zustand zwischen Entstehung, Ausdehnung und möglicher Formbildung präsent, wobei sich die Farbbewegungen im oberen Bereich aus Primärfarben verdichten, nach unten in ein tiefes Braun übergehen und in der Mitte eine krakeleeartige Struktur entsteht, die eine ausgeprägt körperhafte, fast objekthafte Präsenz entwickelt und trotz der flachen Bildfläche den Eindruck von Dreidimensionalität erzeugt.