Die Ausstellung Farben des ewigen Friedens zeigte 2017 im Lapidarium des Alten Berliner Garnisonfriedhofs frühe Glasarbeiten und eine ortsspezifische Installation von Lucia Fischer. Inmitten historischer Grabmale, dunkler Gesteinsflächen und militärischer Erinnerungskultur entstand ein Spannungsfeld zwischen Schwere und Transparenz, Kontrolle und Offenheit, Erinnerung und Transformation.

 

Fischers Arbeiten entstehen aus selbstorganisierten Farbprozessen auf Glas. Über Wochen, Monate und Jahre entwickeln sich durch Fließen, Sedimentation und chemische Reaktionen eigenständige Feld- und Raumstrukturen. Die Bilder beruhen nicht auf klassischer Komposition, sondern auf Materialprozessen, in denen sich Verdichtung, Auflösung und emergente Formbildung gleichzeitig organisieren. Figuren, organische Anmutungen und räumliche Erscheinungen entstehen dabei nicht als gesetzte Motive, sondern aus der Selbstorganisation des Materials selbst.

 

Die Installation griff die architektonischen Gegebenheiten des Lapidariums unmittelbar auf. Die vertikalen Formate orientierten sich an den Fensteröffnungen des Gebäudes, ein großformatiges Werk bezog sich auf den Eingangsraum. Frei im Raum schwebend, wurden die Glasarbeiten zu durchlässigen Schwellen zwischen Innen und Außen. Licht, Bewegung und Transparenz veränderten fortlaufend die Wahrnehmung der Arbeiten und machten das Glas selbst zum Medium des Übergangs — zwischen Präsenz und Auflösung, Sichtbarkeit und Ahnung.

 

Gerade im Kontext des ehemaligen Garnisonfriedhofs entstanden vielschichtige Spannungen: farbige, fließende Feldorganisationen trafen auf Orte militärischer Ordnung und historischer Verdichtung. Die Arbeiten öffneten dabei keine illustrative Gegenerzählung, sondern erzeugten Räume, in denen sich Materialität, Erinnerung und menschliche Wahrnehmung auf stille Weise begegnen konnten.