Kunst ist ein Erkenntnisweg

Malerei in der Studienzeit von 2002-2006 (Krefeld) und 2007-2012 (Berlin)

Frühe Arbeiten führten mich während meinem Studium in Krefeld nach einigen Experimenten mit Frabe und Form schnell zu grundsätzlichen Zuständen, die ich visuell ins Bild setzte: die Bewegheit und die Ruhe. Bei meinem ersten Stillleben ist die zentrierte Position schon sichtbar und erkennbar (Zitronen). Damals experimentierte ich mit vielen verschiedenen Materialien, wie Kreiden, Aquarell, Öl, Acryl und Lack und malte mit Waschlappen, Pinsel, Spachteln auf Holz, Metall, Leinwand, Glas. Die erste nennenswerte Serie malte ich mit Öl auf Baumwolle (N.Y.) bei der ich meine  Empfindung von Stadtleben bereits schon eher abstrakt darstellte. Später löste ich mich mehr und mehr vom Gegenstand --> über eine Studie auf einem Holzbrett fand ich heraus, was mich mich wirklich interessierte (Studie). Ich malte so lange kleine Ausschnitte von einem Innenhof, bis ich das ins Bild brachte, was mich eigentlich interessiert. Bei dieser Arbeit ist schön zu sehen, dass es (v.l.n.r.) vom Kompliziertem ins "Einfache" verläuft. Parallel las ich in dieser Zeit Kandinskys Schriften, Punkt und Linie zur Fläche. So kam ich nach mehreren Bildern zu den abstrakten Formen in Acryl, die ich exakt und gradlinig mit einer Abklebetechnik malte (Parkplatz) und ebenfalls ganz frei nach der Natur abzeichnete und auf dem Bildträger komponierte (Garten). In diesen Jahren sind dazu jeweils Serien entstanden und wenn ich etwas für mich persönlich "klar" hatte, verweilte ich nicht weiter bei dem Thema und probierte Neues aus. So bin ich als Persönlichkeit mit meinen Bildern und deren Erkenntnisse gewachsen. In klassischer Weise habe ich in dieser Zeit noch mit den Pinseln gearbeitet und mich an realen Situationen orientiert. Das Bild hing beim Herstellen noch an der Wand oder auf der Staffelei.

 

Ein Schlüsselbild spachtelte ich bereits ganz zu Beginn in meinem Studium in 2002 mit Ölfarben (Berg und See), ich war damals von Bob Ross inspiriert, den ich nachts irgendwo im Fernsehn gesehen hatte. Aber ich habe nicht Bobb Ross nachgemalt, sondern meiner Intuition freien Lauf gelassen, und die Bobb-Ross-Methode meinem eigenen Empfinden nach eingesetzt. Es ist erstaunlich, dass diese recht unbewusst und präzise Bilderfindungen - die ich damals nicht ernst genommen habe und nicht wahrnehmen konnte - bereits schon die gleiche Sprache beinhaltet, die heute mein Werk auszeichnet, nur das ich noch keine Sprache in der äußern Form finden konnte. Dieses Phänomen der der Landschaft im Zentrum des Bildes hatte mich damals schon sehr berüht, insbesondere, wie es in der Mitte sitzt und wie wichtig der Bezug von Form zu Hintergrund bzw. zum Format hat. (Foto ist sehr schlecht, leider kann ich auch keines mehr machen, da die Arbeit verschollen ist.)

 

o.T. (Berg und See.), ca. 50x 50 cm, Öl auf Holz, 2002

Nachdem ich mich persönlich aus einigen gesellschaftlichen Konstellationen und Beziehungsgeflechten löste, konzentrierte ich  mich auf großen Papierbögen ab einem Format von ab 133 cm bis 280 cm. Ich baute "Riesenpinsel", die bis zu 60 cm breit waren. Zum Befüllen der Farbe nutzte ich längliche Blumenkästen, die man sich an den Balkon hängt.  Ich wollte mehr Dynamik in den Malprozess einbringen (Brunnen). Gleichzeitig entstanden Videos in Urlauben und auf Spaziergängen, von denen ich Zeichnungen bzw. kleine Malereien auf Papier machte. Ich ließ also das Video laufen und übertrug die Empfindung auf das Papier (Wald). Dazu entstanden mehrere Arbeiten. Bis ich dann dazu kam, mich völlig vom Gegenstand zu lösen und Arbeiten aus meiner Innenwelt heraus  herzustellen (Farbwelt/Grün).

 

Beispiele für die vielen Filzzeichnungen, ca, 14,5 x 21 cm, Bleistift, Kugelschreiber, Lackstift, Marker, Filzstift auf Papier, 2006-2007

Später, 2006-2007 zeichnete ich hunderte kleine Papierformate (Filzzeichnungen) mit handelsüblichen Stiften (Bleistift, Lackstift, Filzstift, Kugelschreiber, Marker und Edding). Dazu führte ich unter Beeinflussung von Kandinsky auch "Rhythmus-Studies" durch, bei denen ich mit Eddings in sekundenschnelle auf kleinen Formaten zeichnete (Rhythmus-Studies). Mit den bunten Zeichnungen wollte ich die Vielfalt der unzähligen Möglichkeiten der Bildfindung zelebrieren und die Freude, künstlerischen und schöpferischen Schaffen ins Werk setzen. In einer Ausstellung hatte ich die farbigen Filzstiftzeichnungen 188 Stück an einer 10 Meter Wand in kleinen Metallrahmen Naht an Naht in 4 Reihen aufgehängt (Filzzeichnungen).  "Mit den Reizen nicht geizen" war ein Titel, der in einer Zeitung zu lesen war. (mehr)

 

Beispiele für die Rhythmus-Studies, ca. 14,5 x 21 cm, Edding auf Papier, 2006

Während ich meinen Wohnsitz nach Berlin verlegte und mich in meinem 2. Studium in Berlin ab 2007 auf die Bildhauerei und theoretischen Studien konzentrierte, und zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht Vollzeit arbeitete und Zeit für mich selbst hatte, durchlief ich selbst eine Art psychische Metamorphose durch Erkenntnisgewinn. Ich beschäftigte mich mit Philosophie, Phänomenologie, Dichtung, Psychologie, Spirtualität, Wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Physik, Biologie, Astrologie, Hirnforschung und diversen religiösen Ansätzen. Dieser ganze eruptive Prozess der Auseinandersetzung führte mich zur Dekonstruktion meiner gesellschaftlichen Identität zur weiteren Öffnung und bewussten Wiederentdeckeung meinem tieferen, mir innenliegenden Kern, den ich heute als Quelle bezeichne. Ich zeichnete regelmäßig zwischendurch, kam nach einigen räumlichen und installativen Arbeiten 2010 wieder zur Malerei zurück und begann die Auseinandersetzung mit fließenden Malprozessen, die sich schon Jahre zuvor in kleineren Zeichnungen nebenher ankündigten (Spotzeichnung). 

 

o.T.  (Spotzeichnung) 14,5 x 21 und 30 x 40 cm, Tusche, Airbruschfarbe, Bleistift auf Papier, 2010

Alle persönlichen und technischen Erfahrungen bündelten sich nun in einer neuen Malereitechnik, bei der alles fließt; der Geist, die Airbrushfarben, Tuschen, Schelllacke und Pigmente sowie das Mineral- und Quellwasser. Dadurch wird eine höchst spontane und intuitive Arbeitsweise gefordert. Bei diesen Arbeiten hatte ich den Eindruck, dass sich die Bildsprache intensiviert hat und sich die innere Arbeit, die ja oft im Außen nicht an sichtbaren Ergebnissen abzulesen ist, gelohnt hat.

o.T.  (Spotzeichnung) 30 x 20 cm, Tusche, Airbruschfarbe, Bleistift auf Papier, 2010

Experiment um Experiment reihten sich aneinander, um Reaktionen, Schichtungsverhalten, Interaktionen der Farben untereinander, dem Material (Papier/Leinwand/Glas/Stein/Gips/Kunststoff) sowie Leitungswasser, Mineralwasser, Quellwasser herauszufinden. Dabei ist die heutige Kombination Quellwasser/Aibrush/ Tuchen/Schelllacke Keilrahmen/Baumwolle entstanden (Diplomarbeit: Just Now). Eine Kombination, die unzählige Möglichkeiten beinhaltet und bewusst von mir in ihrer Offenheit gewählt ist. Mir scheint, es entfaltet sich in dieser Offenheit der wesentliche Blick. Meine Diplomarbeit im Jahr 2011 hat das für mich auf den Punkt gebracht. Diese Arbeit ist mit der Absicht entstanden, aus dem freien intuitiven Machen heraus das entstehen zu lassen, das sich "duchr sich selbst" zeigen will.


o.T. (Just Now), ca. 184 x 204 cm, Airbrushfarbe, Mineralwasser auf Leinwand, 2011



 

 

 Malerei ab 2011

 

 

o.T. (Zitronen), ca. 50 x 60 cm, Öl auf Baumwolle, 2002

o.T. (Landschaft), ca. 30 x 60 cm, Öl auf Baumwolle, 2002

o.T. (N.Y.), ca. 120 x 100 cm, Öl auf Baumwolle, 2003

o.T. (Studie), 30 x 80 cm, Öl auf Holz, 2003

o.T. (Parkplatz) ca. 120 x 90 cm, Acryl auf Baumwolle, 2004

o.T. (Garten), ca. 21 x 15 cm, Acryl auf Holz, 2004

o.T. (Garten2), ca. 21 x 15 cm, Acryl auf Holz, 2004

o.T. (Brunnen), ca. 133 x 160 cm, Acryl auf Papier, 2005

o.T. (Wald), ca. 21 x 14,5 cm, Öl auf Papier, 2005

o.T. (Farbwelt), ca. 160 x 133 cm, Acryl auf Papier, 2005

o.T. (Grün), ca. 133 x 170 cm, Acryl auf Papier, 2005