Der Dinge tiefer Inbegriff

Ausstellung Garnisonfriedhof Berlin Mitte

井 2.3



井 2.3, (creativ power & Formel der Schöpfung) Airbrushfarbe, Tusche, Schellack, Quellwasser auf Glas, 220 x 125 cm, 2017

井 2.4


井 2.4, (human power 1) Airbrushfarbe, Tusche, Schellack, Quellwasser auf Glas, 213 x 40 cm, 2017


井 2.5


井 2.5, (human power 2) Airbrushfarbe, Tusche, Schellack, Quellwasser auf Glas, 213 x 40 cm, 2017


井 2.6


井 2.6, (human power 3) Airbrushfarbe, Tusche, Schellack, Quellwasser auf Glas, 213 x 40 cm, 2017


井 2.7


井 2.7, (human power 4) Airbrushfarbe, Tusche, Schellack, Quellwasser auf Glas,

40 x 213 cm, 2017

Garnisonfriedhof

井 2.8


井 2.8, (human power 5), Airbrushfarbe, Tusche, Schellack, Quellwasser auf Glas,

213 x 40 cm, 2017

Garnisonfriedhof

井 2.9.1 - 井 2.9.3


井 2.9.1 - 井 2.9.3 (elemental force of the earth) Airbrushfarbe, Tusche, Schellack, Quellwasser auf Glas, 3 x 40 x 213 cm, 2017


Ausstellungstext:

 

"Du bist der Dinge tiefer Inbegriff,

der seines Wesens letztes Wort verschweigt

und sich den Anderen immer anders zeigt:

dem Schiff als Küste und dem Land als Schiff.“

 

Diese dichterischen Zeilen hinterlässt uns R.M. Rilke 1901 in seinem zweiten Teil seines Stundenbuchs "Das Buch von der Pilgerschaft". Für Rilke war die Schöpferkraft seiner Werke das Göttliche, dessen Worte er als Mittler durch Gebet empfangen hat. Meine Arbeitsweise ähnelt seiner: Wie im Gebet, in innerer Zwiesprache, lasse ich nicht Worte, dafür aber Farben fließen.

 

Ich widmete die Glastafeln, die exakt der Anzahl und den Maßen der Fensteröffnungen sowie der Eingangstür des Ausstellungsraums entsprechen, der Schöpferkraft (井 2.3), den Kräften der Menschen (井 2.4 - 井 2.8) und den Urgewalten der Erde (井 2.9.1 - 井 2.9.3).

 

Das Lapidarium, ein Lagerort für antike Steinwerke, verwandelte ich in einen Schauplatz von frei im Raum, auf verschiedenen Ebenen hängenden Farbkörpern auf Glas. Ihre  Kommunikationsdimension erschloss sich durch Umhergehen. Auf der Vorderseite der Glastafel bemalt, strahlt der Innenbereich des Farbkörpers auf der Kehrseite des Glases hindurch. Verblüffende Farbwirkungen ergaben sich durch das Spiel mit dem Tageslicht. Die Werke nahmen je nach Standort des Betrachtens Bezug auf verschiedene Aspekte des Raums und der Tafeln. Der amorphe Farbreichtum offenbarte sich dem Blick ausschnittweise; schillernd zeigen sich die Glastafeln als Körper im Raum und verschwanden als Linien, wurden fasst körperlos, wenn man an ihnen vorbei geht.

 

Der Detailreichtum der Werke lud zu mannigfaltigen Assoziationen ein. So entfaltet sich eine multidimensionale, organische Formen-Konstellation, die sich im Geiste des Betrachters vollendet: dem Raum hauchte ich damit eine lebensbejahende Lebendigkeit ein. Durch besonnenes Flanieren gebierte die Ausstellung ein inneres Anklingen der Seele, wie sie auch in den Gedichten von Rilke zu erfahren ist und katapultierte in eine weite Dimension.

 

Die Broschüre (download) zu der Ausstellung ist hier zu finden. Der einzelne Text (online) zu der Ausstellung hier.